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Actionkitsch: Avatar

mit einem Kommentar

james camerons avatar

Hinweis: Nacherzählungen der Story kann man auf anderen Webseiten finden, dennoch werden im Folgenden etliche Details thematisiert die man im Vorfeld vielleicht nicht kennen möchte.

James Camerons Avatar sieht gut aus. Verdammt gut. Es ist das Beste, was bisher an Effektkino zu sehen ist… und das mit Abstand.
Die Aschepartikel, die Rauchwolken, die Insekten, die Blätter und Dschungellandschaften kurzum: Die Fülle und Qualität der Details setzten tatsächlich neue Maßstäbe. Die 3D-Technik tut ihr übriges dazu, ohne aufgesetzt zu wirken.
Man muss Kino schon sehr hassen, um nicht völlig begeistert zu sein. Sogar Michael Bay und Roland Emmerich werden nur verschämt nicken, wenn Cameron ihnen nächstes Jahr mit dem Effekt-Oskar in der Hand ins Gesicht lacht. Er hat ihn sich redlich verdient.

Leider ist Avatar die dümmste Grütze, die ich dieses Jahr im Kino gesehen habe… mit Abstand.
Wie kann man im Jahre 2009 die Mär vom edlen Wilden dermaßen unreflektiert inszenieren? Es ist nicht einfach nur ein bisschen Science-Fiction-Ökokitsch, die guten Indianer die sich tapfer gegen die weißen Eindringlinge wehren, sondern ein absurdes Konstrukt ökologischer Harmonie, das bis zur Peinlichkeit überladen wird.

Die Natur Pandoras, so heißt der Planet auf dem die bösen Menschen das Naturparadies der blauhäutigen Na’vi zerstören wollen, ist nämlich unglaublich praktisch angelegt. Überall sind rein zufällig Brücken, Pfade und Pflanzenkonstruktionen verstreut die nur darauf warten, von den indianischen Ureinwohnern genutzt zu werden. Selbst die höchsten Berge lassen sich so problemlos erklimmen, es hängen ja genau an den richtigen Stellen ein paar Lianen rum. Gefährliche Tiere sind auch ganz lieb, wenn man nur nett zu ihnen ist.
Doch es kommt härter, viel härter.
Denn damit man sich nicht umständlich mit der Natur auseinandersetzen muss verfügt jedes Tier Pandoras über einen praktischen USB-Anschluss. Was für ein Zufall dass auch die Na’vi über diese eingebaute Schnittstelle verfügen. Wenn man ein Pferdevieh besteigen will muss man also nur die Stecker verbinden und schon reitet man in Windeseile durch den Dschungel und spart sich die aufwändige Domestizierung. Das ganze gipfelt in tranceartigen Gottesdiensten: Alle Na’vi eingestöpselt in die Wurzeln der Bäume und untermalt von tiefschürfendem Ethnokitsch-Trommelsingsang. Dies ist keine flotte “Natur 2.0″-Vision, sondern einfach nur lächerlich.

Aber das reicht Cameron nicht, nein, er muss auch noch mit 9/11-Metaphern daher kommen. Ausgerechnet Kampfflugzeuge zerstören den “großen Baum” und verwandeln so das Symbol der Na’vi-Gesellschaft in eine eine ausgebrannte Trümmerlandschaft.
Die Antwort auf diesen feigen Anschlag ist selbstverständlich Krieg, denn andere Optionen stehen schon durch die Charakterisierung der fiesen menschlichen Militärs nicht zur Debatte. Natürlich gewinnen die Guten die finale Schlacht und die Aliens (in diesem Fall die Menschen) werden von Pandora vertrieben. Eine friedliche Koexistenz der Kulturen ist unmöglich, Cameron erteilt Aussöhnung und Integration mehrfach eine klare Absage.
Sogar den menschlichen Helden, die sich inzwischen auf die richtige Seite geschlagen haben, wird die Integration in die Na’vi-Gesellschaft nur durch den Tod und die reinigende Neugeburt in einen Na’vi-Körper hinein ermöglicht. Die Menschheit selbst kann weder lernen, noch erlöst werden, sie kann sich nur der Ökoreligion opfern und auf Reinkarnation hoffen.

Zuletzt sind es noch Kleinigkeiten wie der Name des Rohstoffes, nach dem die Bösen trachten (“Unoptanium”), die allgegenwärtigen Logikfehler, ein schlichtes Frauenbild und überflüssige Kommentare aus dem Off, die dafür sorgen, dass man sich als Zuschauer einfach nicht ernst genommen fühlt. Zumindest nicht von einem 14 Jahre andauernden und 300-Millionen Dollar verschlingenden Mammutprojekt das seine “ernsten Inhalte” mit jeder Menge Pathos an den Zuschauer bringen möchte.

Dennoch, reingehen. Die Effekte sind der Wahnsinn. Ja, sie sind wirklich so gut! Vielleicht findet ihr ja ein nettes Kino, bei dem man seine höheren Gehirnfunktionen gegen eine 3D-Brille tauschen kann, damit man sich zwischendurch nicht dauernd ärgern muss.

Type A Plug coloured und “Arbutus uva ursi” aus Bigelow, Jacob (1817) American medical botany sind Public Domain

1 Kommentar zu “Actionkitsch: Avatar”

  1.  1. HomiSite sagte am 21. Dezember 2009 um 00:15 Uhr

    Wie ich auch selbst schrieb, sind die Effekte schon sehr geil. So unfassbar Maßstäbe-setzend nicht zwangsläufig (ist das noch möglich?), aber halt sehr, sehr gekonnt ausgeführt. Die Geschichte selbst habe ich nun nicht so negativ interpretiert (Koexistenz und so), ich fand’s vielmehr schwach, dass die Grundstory dermaßen 08/15 ist. Mit den USB-Zöpfen bzw. diesem Quasi-Planetenbewusstsein konnte ich auch leben, auch wenn mir schon die Frage kam, inwiefern dieses Neurolink-Gedöns durchdacht ist:
    Machen die Tiere damit auch was? Oder ist’s wirklich nur ein Drehbuchkniff für den biologischen Bewusstseinstransfer und die Erklärung, dass die Ureinwohner so easy mit ihren Tieren umgehen? Überrascht hat mich, dass nicht die “Gedankenverschmelzung” zweier Na’vi thematisiert wurde (man erinnere sich an Babylon 5, wo derartiger Sex zw. Telepathen angesprochen wurde).

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