Die einsame Inselgruppe
von Ben am 4/05/2010
Was heute der Begriff “Web 2.0″ ist, war in den frühen Neunzigern “Multimedia”. Ausgehend von einer eher un-spannenden Technologieevolution (Pentium-Prozessoren, CD-Rom…) wurde der Begriff in den Massenmedien schnell zu einer Projektionsfläche für die revolutionären Erwartungen an Computer- und Unterhaltungstechnik. Myst war diese Revolution, oder verkaufte sich mit 9 Millionen Exemplaren zumindest als solche. Echte Töne, beinahe fotorealistische Computerbilder, eine auf die Maus fixierte Steuerung und Datenmengen, die man damals nur auf CD-Rom ausliefern konnte.
Der Nachfolger, geschickt mit “Riven – The Sequel to Myst” betitelt, erschien 1997, gilt bei Fans als bester Teil der Myst-Reihe und spielt sich im Jahr 2009 wie ein Besuch bei flickr.
Landschaft *klick*
Landschaft *klick*
Detail *klick*
Landschaft *klick*
Gebäude *klick*
Gebäude *klick*
Tür *klick*
Detail *klick*
Landschaft *klick*
Meer *klick*
Meer *klick*
Landschaft *klick*
Tiere *klick*
Landschaft *klick*
Eine gewisse Faszination der Bilder lässt sich nicht leugnen. Ähnlich den Ruinen von Pompeji haben sie etwas leicht morbides, laden dazu ein über ihre Geschichte nachzudenken, die Inseln, ihre einstigen Bewohner… und wozu all die unnötig komplizierten Maschinen, die dort herumstehen, eigentlich gut sein sollen.
Eine Faszination die etwa 30 Minuten anhält. Dann hat man sich ein mal durch die Inselgruppe Rivens geklickt und hängt am ersten Rätsel fest, das daraus zu bestehen scheint, sich immer wieder durch die selbe zehnteilige Bilderstrecke zu klicken, vorwärts und rückwärts. Möchte ich das? Nein, ich möchte Bilder sehen, mehr Bilder, schöne Bilder und nicht vor jedem neuen eine halbe Stunde mit dem Ausprobieren kryptischer Hebel verbringen!
Dies ist jetzt die Stelle um Kritik an der postmodernen Mediengesellschaft im allgemeinen und mir im besonderen anzubringen: Bilderflut, kollektives Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, keine Ruhe mehr, kein Interesse daran sich auf etwas einzulassen… doch das kann nicht davon ablenken, dass das interaktive Moment, also das Spiel, ein ernstes Problem hat. Wie bei jedem Spiel löst die Einwirkung des Spielers auch bei Riven etwas aus, nur wird hier mit allen Mitteln versucht, deren Auswirkung zu verschleiern um ein “Rätsel” zu konstruieren. Man muss erraten was man eigentlich getan hat, welcher Hebel welchen Mechanismus am anderen Ende der Spielwelt unter welchen Bedingungen auslöst und im seltensten Falle ist dabei im Vorfeld klar, was eigentlich das konkrete Ziel des Spielers ist. Freue dich, wenn sich eine Tür öffnet, es hätte auch etwas anderes passieren können! Das kann man zwar als Rätsel bezeichnen, aber “Ausprobiersel” wäre treffender.
Ich möchte den Menschen, die daran gefallen finden, nicht zu nahe treten, aber die Bilder und die angedeutete Hintergrundgeschichte sind leider so viel interessanter als die Rätsel, dass ich sie nur als störendes und nicht als Kernelement empfinden kann.
Mag sein dass ich und mein Kumpel Käpt’n Komplettlösung Rivens Inseln noch einen Besuch abstatten um die Tagebücher der Bewohner zu lesen und das Meer anzustarren… doch für einen längeren Aufenthalt dürfte mir die Motivation fehlen.
Riven veranstaltet unter Windows XP einigen Ärger. So scheinen neuere Versionen von Apples Quicktime nicht mehr die notwendigen Komponenten mitzubringen um Rivens Quicktime2-Filmchen abzuspielen. In diesem Forum finden sich ein paar Lösungen dafür.
Keine Lösung habe ich gegen Rivens Eigenart gefunden, zwangsweise im Vollbildmodus zu laufen, was auf modernen Displays zu herrlich-verzerrtem 640×480-Pixelbrei führt.
Für Mac OS X ab 10.4 und einem G5 mit gescheiter Grafikkarte empfiehlt sich Riven X, eine Betaversion und nicht ganz bugfrei, aber besser als gar nichts.
Die für das flickr-Mockup verwendete Schriftart ist Frutiger Linotype, enthalten in der Installation des Microsoft Readers.
Die Screenshots entstammen Riven (by CyanWorlds)
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