Good Bye Google Reader

von Hannes am 24/06/2013

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Nächsten Montag wird der Google Reader eingestampft. Da ich sicher nicht der Einzige bin, der ihn als RSS Reader nutzte und nun eine Alternative suchen musste, lasse ich mich hier mal darüber aus, vielleicht hilft es jemandem. Ich habe eine ganze Reihe RSS Reader ausprobiert, drei mögliche Alternativen zum Google Reader will ich hier mal vorstellen.

Die Ausgangsbedingungen waren bei mir folgende: Ich sitze jeden Tag an einem Mac, an einem Windowsrechner und ich habe ein Android-Smartphone. Ich brauche also einen RSS Aggregator der Plattformübergreifend funktioniert und ich will nicht auf allen drei Plattformen Nachrichten die ich schon las nochmals weg klicken müssen, es muss also eine zentrale Datenbasis geben. Daher blieben eigentlich nur Webservices als Lösung.

Netvibes ScreenshotZuerst landete ich bei meiner Suche nach Alternativen bei Netvibes. Netvibes will nicht nur ein RSS Reader, sondern ein allgemeiner News Aggregator sein. Er erinnert etwas an iGoogle, was ja auch eingestellt wird im November. Man kann Themes einrichten und Plugins einfügen. Eigentlich kann man an dem Ding verdammt viel rum schrauben, man hat Kategorien und kann zwischen einer Widget-Ansicht und einer Reader-Ansicht wechseln. Die Widget-Ansicht, welche iGoogle nachempfunden ist, fand ich leider völlig unpraktikabel. Jeder RSS Feed erscheint als eigenes Widget. Es gibt zwar viele Widgets für News, Wetter, Twitter, Mails und was weiß ich, die Hälfte davon funktionierte aber bei meinem Test nicht. Die Readeransicht erinnert zwar an den Google Reader und funktioniert analog, aber zumindest in meinem Test hatte diese Ansicht „Ladehemmungen“. Für die Webseite gibt es eine mobile Variante, die lief erstaunlich gut und flüssig, eine direkte App oder Widgets für Android gibt es nicht.
Mit Netvibes wurde ich also nicht so richig warm. Auf einem Android Device wäre es okay gewesen, aber am Desktop konnte ich mich nicht damit anfreunden.

Screenshot feedlyFeedly hatte sich schnell als Nachfolger positioniert. Der Import aus Google Reader geht voll automatisch und Feedly wirkt auf den ersten Blick geradlinig, überschaubar und aufgeräumt. Die Einrichtung geht also binnen Sekunden und in der neuesten Version ist Feedly auch vollkommen eigenständig und funktioniert losgelöst vom Google Reader. Früher war es als Erweiterung auf der Datenbasis des Google Readers konzipiert worden. Ich nutzte Feedly dann ein paar Tage, dabei gab es aber einige Serverüberlastungen und ich stellte fest, dass Feedly meine Tags, ohne die ich keine Ordnung halten kann, gerne durcheinander brachte. Da waren Blogs mal in der einen Kategorie, beim nächsten Neuladen in einer ganz anderen. Das Problem hatte ich auch mit der Feedly App für Android, die aber sonst gut funktionierte. Es gibt auch Feedly Widgets für Android.
Mein Test ist ein paar Wochen her und beruht noch auf der alten Version, es kann sein, dass die Probleme inzwischen gelöst wurden, aber da ich in der Zwischenzet „meine Lösung“ fand, ist Feedly für mich auch gestorben mangels Vertrauen in die Technik dahinter.

Screenshot selfossMomentan benutze ich selfoss von @zuzzlwuzzl. Feedly nicht unähnlich ist es eine Anwendung die straight forward dem Google Reader nachempfunden ist. Jedoch hat selfoss den Vorteil, dass man es auf einem eigenen Webserver laufen lassen kann und muss. Niemand kann einem den Dienst abschalten. Webspace mit einer Datenbank gibts ja überall geschenkt. Neben RSS Feeds kann selfoss auch Youtube, Twitter, Tumblr, DeviantArt und Facebook Feeds einsammeln und ist über Addons – hier Spouts genannt – erweiterbar. Die aus dem Google Reader erzeugte Backupdatei kann man direkt einlesen und neue Feeds hinzu zufügen geht auch mit wenigen Klicks. Da es selbst gehostet ist, hat man nie groß Stress mit Serverüberlastungen.
Eine Android App ist mir nicht bekannt. Die Software stellt aber eine API bereit, mit der man die Daten abgreifen kann. Die mobile Webseitenversion ist zumindest übersichtlich und frei von grafischem Schnickschnack, Grafiken werden in der mobilen Version nicht geladen um das Datenpaket des Smartphonenutzers zu schonen, dadurch sehen Nachrichten manchmal etwas eigenartig aus.
Bisher bin ich aber rund rum zufrieden mit selfoss, auch nach einem Monat Nutzung noch. Hier und da wünscht man sich kleine Erweiterungen, aber dafür, dass es ein frei erhältliches Stück Software ist, ist es großartig, da es genau macht was es soll und notfalls kann der kundige Webentwickler es ja selbst weiter ausbauen. Jedenfalls fühle ich mich damit für nächsten Montag gewappnet.

Netvibes ist eine Firma von Dassault Systèmes.
Feedly gehört sich selbst, ein Impressum war auf der Seite nicht auffindbar.
selfoss ist ein Projekt von @zuzzlwuzzl und unterliegt der GPLv3.
Google Reader ist eine Marke des Google Konzerns.
Die Screenshots entstammen den jeweiligen Webdiensten.
Alle Angaben zu den einzelnen Diensten entstammen eigenen Feldtests, ich bekomme kein Geld dafür, dass ich einzelne Dienste gut oder schlecht bewerte.

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel:

  1. 25/06/2013Takius says:

    Webspace mit einer Datenbank gibt’s geschenkt? Oder nur „so gut wie geschenkt“?

    Ich bin auch auf der Suche nach einer Alternative, aber leider habe ich keinen Webspace und nur für einen Feedreader würde es sich sicher auch nicht lohnen einen anzuschaffen. Da könnte ich mir gleich eine der kostenpflichtigen Reader alternativen zulegen. Die Frage dabei wäre blos, welchen Vorteil könnte mir so ein Reader geben im Vergleich zum Google Reader, der im Prinzip ja alles konnte was ich wollte – ein paar Feeds anzeigen.

    Laut deinen Beschreibungen werde ich wohl erstmal feedly probieren um nicht ganz auf dem trockenen zu sitzen.

  2. 26/06/2013Hannes says:

    Eigentlich müsste es ausreichend Gratis Webspace geben, die Anwendung braucht ja nicht viel. ich kann natürlich keine Anbieter nennen ohne indirekt Werbung zu machen aber wenn ich nach „gratis webspace mit mysql“ suche, kommen da eine ganze Reihe Treffer.

    Ansonsten – ohne es jetzt recherchiert zu haben – habe ich im Hinterkopf, dass es einen Google Service gibt mit dem man beliebige PHP Anwendungen laufen lassen kann.
    Zu Hause hosten und über Dyndns ansteuern wäre auch noch eine Lösung, so ein Webservice frisst ja nicht viel Traffic, aber ich gebe zu, dass beide sicher recht frickelig sind.

    selfoss bietet sich halt vor allem für Leute an die eh schon Webspace aus irgendeinem Grund haben, wie zum Beispiel Blogger. Viel Glück mit Feedly, wenn sie das Problem mit den Tags gelöst haben, ist Feedly sicher brauchbar.

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